Warum heute noch Blutspenden?


Sommerzeit – Reisezeit. Aber schlecht für die Medizin. Denn wenn die Temperaturen im Sommer steigen, schrumpft der wertvolle Bestand an Blutkonserven.

Täglich werden jedoch allein in Deutschland rund 15 000 Blutspenden benötigt – viele für die Behandlung von Krebspatienten.

Eine Blutspende dauert nur fünf Minuten. Ein halber Liter Blut wird einem dabei „abgezapft“. Der Körper kann diese Menge ohne Probleme ausgleichen.  Jeder zwischen 18 und 65 Jahren darf Blut spenden. Einzige Bedingungen: Man sollte sich gesund fühlen und natürlich ohne Drogen und Alkohol im Körper zur Spende erscheinen. Wer weniger als 50 Kilo wiegt, darf nicht spenden.

Wer Blut spendet, bekommt zur Stärkung nicht nur gratis einen Snack und ein Getränk, sondern auch noch eine kostenlose Analyse des Blutbildes.

Das Blut wird nach der Spende im Labor unter anderem auf Hepatitis A, B und C, HIV-Infektion und Syphilis getestet. Und natürlich muss auch die Blutgruppe bestimmt werden. Sollte mit dem Blut etwas nicht in Ordnung sein, wird der Spender von seinem Hausarzt benachrichtigt.

Was ist eigentlich alles drin im Blut?

Rote und weiße Blutkörperchen  – die kennt jeder. Die roten regeln den Sauerstofftransport von der Lunge zu sämtlichen Organen und Muskeln. Von den weißen gibt es zwar deutlich weniger als von den roten. Sie sind aber genauso wichtig: Sie wehren alles ab, was dem Organismus Schaden zufügen könnte: Keime oder Schadstoffe.

Außer diesen beiden „Hauptakteuren“ gibt es auch noch die Blutplättchen und das Blutplasma. Die Blutplättchen sind so etwas wie die inneren Pflaster des Körpers. Sie sorgen dafür, dass Blutungen gestoppt werden.

Das Blutplasma besteht über 90 Prozent aus Wasser. In ihm enthalten sind die Stoffe, die der Mensch zum Leben braucht, zum Beispiel Salze, Mineralstoffe, Vitamine und Hormone.

Was geschieht dann mit dem Blut nach der Blutspende?

Ist das sogenannte Vollblut erst einmal gespendet, muss es schnell gehen. Innerhalb von 24 Stunden wird es im nächstgelegenen Blutspendezentrum weiterverarbeitet. Eine Zentrifuge trennt die Bestandteile des Blutes auf. Auf das Blut wirken dabei Zentrifugalkräfte, die mehr als das 4000-fache der Erdanziehungskraft stark sind. Denn die meisten Patienten benötigen nur einen bestimmten Bestandteil des Blutes.

Die verschiedenen Blutbestandteile sortiert ein sogenannter Abpress-Automat in einzelne Beutel. Das Blutplasma wird auf minus 30 Grad Celsius tiefgefroren und hält sich zwei Jahre. Aus dem Großteil des Plasmas stellt die Pharmaindustrie Gerinnungspräparate oder andere Medikamente her.

Das Konzentrat aus roten Blutkörperchen ist das wichtigste Blutprodukt. Es kann gut einen Monat zur Behandlung von bestimmten Krankheiten wie Blutarmut, Krebs oder nach radioaktiver Bestrahlung eingesetzt werden.

Die Blutplättchen sind nur fünf Tage haltbar. Sie werden bei einem akuten Mangel an Blutplättchen verwendet: zum Beispiel nach Unfällen oder chirurgischen Eingriffen.

Wir leben zwar in einer künstlichen Welt: künstlicher Zahnersatz, künstliche Brüste, sogar künstliche Herzklappen gibt es. Aber eins haben die Wissenschaftler noch nicht hinbekommen – künstliches Blut herzustellen.

Sie wollen in Zukunft zwar mit künstlichem Blut die Blutspenden ersetzen. Seit Jahrzehnten arbeiten sie daran, Blutersatzlösungen zu entwickeln, die den Sauerstofftransport übernehmen können. Doch bisher wurden diese Produkte allerdings nur in klinischen Studien oder Tierversuchen eingesetzt. Noch kein Ersatz konnte sämtliche Funktionen des Blutes nachbilden. Zu vielfältig ist der wertvolle Saft. Der bleibt wohl noch längere Zeit unersetzbar.

Der aus dem Fachbereich Wissenschaft und Technik bekannte Journalist Holger Douglas ist Autor dieses Beitrags.

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